Integration um drei Ecken

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Ganze 3 Millionen – so viele Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Deutschland (vgl. hier). Türkisch in Deutschland als Schulfach anzubieten, klingt da irgendwie logisch. Eltern fordern schon seit Jahren mehr Abwechslung im Lehrplan bezüglich der Auswahl an Sprachen, die sich meist auf Englisch, Französisch, Latein und Spanisch beschränkt. Außerdem ist Türkisch im Alltag vieler Kinder ohnehin längst angekommen: Jeder Dreikäsehoch wird spätestens im Laufe der Kindergartenzeit auf den ein oder anderen Sandkastenkumpel treffen, der manchmal Worte spricht, die er nicht versteht.

Für Schüler, die zweisprachig erzogen wurden oder zu Hause nur Türkisch sprechen, ist das Fach ein mehrfach lockendes Angebot. Denn wer Türkisch schon als Muttersprache beherrscht, der sahnt locker gute Noten ab. Und wer mit der Sprache aus familiären Gründen vertraut ist, aber ohne Grammatikregeln eher einen wüsten deutsch-türkischen Sprachmix gewohnt ist, dem bietet das Fach Türkisch das lang vermisste Hintergrundwissen und den Bonus, beim nächsten Verwandtenbesuch in der Türkei mit ein paar neuen Vokabelschätzen glänzen zu können. Natürlich stellt sich auch ein Stück weit die Frage, ob das Vorwissen, das jemand, der zu Hause schon sein Leben lang türkisch spricht, gegenüber den anderen Schülern fair ist.

Doch jemand, der mit Deutsch und Französisch groß wurde, hätte im Grunde im Französisch- bzw. Deutschunterricht den gleichen Vorteil. Auf die Frage, warum es Türkisch als Schulfach in einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen gibt, wo man Türkisch sogar als Abiturfach wählen kann, fallen Worte wie Migrationshintergrund und Interkulturalität. Man registriert, dass in Deutschland wohl mittlerweile eine „natürliche Mehrsprachigkeit“ herrsche, so ein Bericht der taz. So betrachtet, ist das Fach eine neuartige Ebene des Austausches und der Integration. Schüler mit buntem kulturellem Hintergrund können das Wissen über ihre Wurzeln erweitern. Andere, die auf einem Pausenhof groß werden, auf dem schon lange nicht mehr nur Deutsch gesprochen wird, bekommen einen Einblick in eine andere Sprach- und Kulturwelt. Das könnte auch Vorurteile gegenüber der Sprache selbst mindern, deutet der taz-Artikel an. Es scheint, Türkisch für Anfänger als Schulfach anzubieten ist für Schüler auf den ersten Blick eine Win-win-Situation.

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