Schwerer Start für Bildungsraketen

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Vom Tellerwäscher zum Millionär – ein amerikanischer Traum. Wenn wir uns hingegen in Deutschland mit Aufstiegsträumen beschäftigen, klingt das deutlich weniger verklärt: Bildungsaufsteiger aus ‘bildungsfernen Schichten’ – so werden euphemistisch die Kinder genannt, deren Eltern einen niedrigen oder gar keinen Schulabschluss haben und die als erstes Familienmitglied den Schritt an die Uni wagen und Karriere machen. Mit diesen Kindern, die sich von unten hoch kämpfen, beschäftigte sich der Soziologe Aladin El-Mafaalani an der FH Münster in einer Studie. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung stellt El-Mafaalani die Ergebnisse aus einem Vergleich von 40 Aufsteigern vor: Auffällig ist, dass alle Befragten an einem Punkt in ihrem Leben ein Schlüsselerlebnis hatten, verbunden mit dem Gedanken, dass es so nicht weitergehen kann und mit dem Wunsch sich weiterzuentwickeln.

Dies ist oftmals ein äußerst schwieriger Moment, dem eine emotionalen Krise folgen kann. Denn die Entscheidung zur Veränderung, geht meist mit dem Verändern der eigenen Vorstellungen und Werte einher, die in der Kindheit geprägt wurden. Zudem führt der Entschluss, es anders zu machen als die Eltern, meist dazu, dass Kontakte zur Familie oder zu alten Freunden weniger werden. Und die zugleich mangelnde Unterstützung durch das gewohnte Umfeld kann sehr einsam machen. Interessanterweise erfuhren die Bildungsaufsteiger aus der Studie ebenso wenig Unterstützung von ihren Lehrern in der Schule. Doch ganz alleine waren sie auf ihrem anstrengenden Weg nach oben dennoch nicht: “Jeder der 40 Befragten hatte immerhin einen ‘sozialen Paten oder Mentor’ an seiner Seite, der als Vorbild fungierte”, so El-Mafaalani. Schade, dass der Wunsch nach mehr Bildung es diesen mutigen jungen Menschen so schwer machen kann.

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